top of page
Bergen_bei_Neuburg_Heilig_Kreuz_195.jpg

Konzerte im Baringer Münster

Rückblick 2022

18. Dezember 2022
Baringer Adventsingen

Bergen (max.) Es besteht wohl kein Zweifel, dass Weihnachten ein Fest des Hörens ist. Der Schnee rieselt leise, die Glocken klingen süß und es tönet laut von fern und nah, wie es so treffend in einigen Klassikern unter den Weihnachtsliedern heißt. Genau für jene vorweihnachtliche, festliche Stimmung sorgte auch heuer wieder das Baringer Adventssingen, das  zum zehnten Mal über die Bühne ging und damit ein kleines rundes Jubiläum feiern durfte. Es entpuppte sich erneut als absoluter Hör- und Wohlfühlgenuss: trotz klirrender Kälte, sowohl draußen als auch im Münster, das aber, in abendliches Licht getaucht, mit seiner überwältigenden Schönheit und Akustik den feierlichen Rahmen für ein Konzert gab, das ergriffen machte und die Zuhörer in ihren Bann zog. Gleich bei den ersten Tönen wurde es den Zuhörern warm ums Herz. Dafür sorgte die Baringer Blaskapelle unter der Leitung von Thomas Fahrmeier, die mit ausdrucksvollen Klängen den Weihnachtschoral „Die stade Zeit“ intonierte. Durch kleinere Besetzungen gab es unterschiedliche Klangnuancen:  sehr fein und würdevoll das Flügelhorntrio bei der Osterfinger Weihnachtsweis, während das Klarinettentrio mit einem feinen Menuett das Konzert bereicherte. 

Vokaler Gegenpart waren die Weichenrieder Sänger: Herbert Gottwald, Hanns Kufer und Hans Moosmair warteten mit Stücken in bayerischer Mundart auf und stellten andächtig, fast demütig die Frage: „Wos is des nacha für a Kind“. Besonders ergreifend „Und drauß geht da Wind“, bei dem die Musiker textlich einen Gegenwartsbezug zur biblischen Geschichte von vor 2000 Jahren herstellten, als Maria und Josef eine Herberge in Nazareth verwehrt wurde. Am Ende fragten sie nachdenklich, ja fast anklagend: „Aba san mia heit zum Tür aufmacha bereit?“ 

An das Anklopfen erinnert auch das Klöpfialied „Jetzt kommt die heilig Weihnachtszeit“, das aus der Feder vom bekannten Kreuther Liedsammler und dem von den Wittelsbachern stets geförderten Kiem Pauli stammt und das auch heute noch im Chiemgau und Inntal sehr bekannt ist. Die Klöpfelnächte stehen symbolisch für die Herbergssuche von Maria und Josef. Mit diesem und weiteren alpenländischen Advents und Weihnachtsweisen richteten die Schutterzeiserl aus Buxheim mit ihren glockenhellen Stimmen den Blick auf die Ankunft des Herrn. 

Mit zartfühlender und zugleich seelenvoller Musik erfreute der Baringer Saitenklang mit Marie und Evi Krämer (Zither und Hackbrett) , unterstützt durch eine weitere Zither und einen Kontrabass des Solnhofener Zitherclubs  mit dem Welschnofner Menuett und dem  Weihnachts-Boarischen die Herzen der Zuhörer. Mit wohliger Klanglichkeit sowie akkurater Intonation kam der „Rauhnacht Landler“ besonders gut an, nicht zuletzt wegen seinen harmonischen Variationen. 

Die kurzen begleitenden Worte, von Prälat Franz Kaspar vorgetragen, orientierten sich an kontemplativen Texten von Silja Walter, einer Schweizer Benediktinerin und geistlichen Dichterin.  

Reihum ging dann ein Andachtsjodler, der seinen Ursprung im liturgischen Umfeld der Christmette hat, unter den beteiligten Gruppen und steigerte sich kunstvoll ausgeschmückt. Das Finale war den Baringer Blaskapelle mit einem kraftvollen „Adeste fideles“ vorbehalten,. Der Titel spiegelt somit die Aufforderung Jesu Geburt zu feiern wider. Am Ende des Konzerts gab es dann einen kräftigen, verdienten und lang anhaltenden Applaus für ein gelungenes Konzert.

3. Oktober 2022
Renner-Ensemble

 Ein ausgefeiltes und sehr abwechslungsreiches „Friedenskonzert“ des Renner-Ensembles aus Regensburg unter der Leitung von Hans Pritschet begeisterte am Tag der Deutschen Einheit im Baringer Münster das Publikum. Mit dem gregorianischen Antiphon „Da pacem, Domine“ eroberten die stimmlich bestens präparierten 13 jungen, ehemaligen Domsingknaben das Kirchenschiff, erzeugten mit der Vokalise „Pax“ von Jósef Świder mit berührenden Pianissimis bis hin zu beeindruckenden Fortis Wohlgefühl. Faszinierend stets die im Nichts verschwindenden Schlusstöne, die allerdings noch lange nachschwangen. Effektvoll, das vom Chorleiter gekonnt modernisierte, wohl älteste Gebet der deutschsprachigen Literatur, das „Wessobrunner Gebet“. Ein „Ave Maria“ Ming-Chieh Lin´s, einzigartig in seiner Dissonanz und rap-artigen Modernität und auch die Vereinigung von Texten der griechisch- und russisch-orthodoxen Kirche zu friedlichem Gebet, Ivan Moody´s„Supplication for Peace“, passte ohne jeden Bruch in das Programm, mit dem sich quer durch die Jahrhunderte der Musik, friedensstiftend in der Welt, das bestens geführte Ensemble Renner, als Himmelschor in die Herzen der Zuhörer sang.(bece) 

3. Juli 2022
Eichstätter Kammerorchester

 Mit einem Doppelkonzert stellte das Eichstätter Kammerorchester unter der Leitung von Georg Hanauska einmal mehr - im 61.Jahr seines Bestehens – sein hohes musikalisches Potenzial unter Beweis. War lange Jahre das Schloss in Ellingen der jeweils zweite Konzertort, so hat das Orchester nun das Münster in Baring, wie der Ort im Volksmund liebevoll genannt wird, als neue „Location“   entdeckt, sehr zur Freude der Musizierenden als auch der Zuhörerschaft, die am Sonntagnachmittag das Münster füllte. Das gleiche Programm, das sich der glanzvollen Epoche des Barocks widmete, gab es bereits am Vorabend in der Kirche Heilige Familie in Eichstätt zu hören. 

Einmal mehr setzte Georg Hanauska bei seiner Programmauswahl auf ein Soloinstrument, dem er beim diesjährigen Konzert zu einer außerordentlichen Geltung verhalf: der Oboe. Als Solist glänzte Christoph Semmlinger, jemand der die Oboe „zu einem Verführungsinstrument erhob, schaffte er es doch vorzüglich sein Instrument mit all seinen Möglichkeiten, seinem Farben- und Klangreichtum, exzellent ins Rampenlicht zu rücken.

Besonders Georg Friedrich Händel war dem Instrument zugetan. Er soll sogar geäußert haben, dass die Oboe sein Lieblingsinstrument ist, weshalb er diesem Instrument er auch einige Konzerte widmete. Eines davon, das in g-Moll (HWV 287) war auch der Ausgangspunkt für ein Konzert, bei dem der Solist stets sehr viel Kontakt mit dem Orchester aufnahm und man spürte die große Erfahrung, die Semmlinger mitbrachte. 

Der Oboist Christoph Semmlinger erschloss die Musik mit traumwandlerischer Eleganz; er spielte die verschlungenen melodiösen Linien ebenso auserlesen wie klagend, mit schillerndem Ton, spitzfindiger Ausdruckskunst und einer besinnlichen Souveränität, die alle vordergründigen Aspekte der Technik rasch vergessen ließen. So kam die andere, die verborgene, verspielte, melancholische Seite des Barockzeitalters, jenseits von Prunk und Repräsentation bestens zum Ausdruck. Auf diesem Weg folgt ihm das Kammerorchester mit seinem kultivierten und noblen, scheinbar schwerelos bewegten Spiel und einem einen silbrig, fast fragilen Streicherklang, was es bei drei Sätzen aus einem weiteren Händelschen Concerto grosso, dem in c-Moll op. 6/8  unter Beweis stellte.                              

Einer der bedeutendsten Zeitgenossen Mozarts - bedeutend für die Musikwelt - insbesondere aber auch für Mozart - war Johann Christian Bach (1735 - 1782), auch "Mailänder" oder "Londoner" Bach genannt. Als jüngster Sohn von Johann Sebastian Bach war er grade mal 15 als sein Vater starb. Beim Andante-Satz aus der B-Dur Sinfonie zeigte sich erneut das effektvolle Wechselspiel von Virtuosem und Gesangvollem und: die Oboe einer launischen Diva gleich. Farbwechsel, Eintrübungen nach Moll – eine Musik, die nur scheinbar naiv und unbedarft daherkommt. 

Mit einer Kammersinfonie von einem weiteren Barockmeister, Johann Christoph Pepusch, einem preußischen Komponisten, der alsbald nach London übersiedelte und dort Georg Friedrich Händel den Rang abgelaufen haben soll, spürt das Orchester ganz wunderbar nach, wie der Instrumentalsatz zwischen Transparenz und fülliger Wärme austariert ist. 

Dann greift Christoph Semmlinger beim berühmten Mozart-Adagio KV 580a zum Englisch Horn und so gar mancher Zuhörer ist verwundert, dass es sich hier nicht um ein Blechblasinstrument, sondern um ein Holzblasinstrument handelt und dieses der Familie der Oboeninstrumente zuzurechnen ist. 

Ganz frisch, ja mit einer beschwingten Leichtigkeit geht das Orchester das Spiritoso aus der Sinfonie in B-Dur von Franz Xaver Richter mit seinem lombardischen Rhythmus an. Das Orchester scheint sich in Richters Musik, unter dem Einfluss des sogenannten Galanten Stils stehend, festgebissen zu haben, wo die rhythmische Komplexität die Musik vorantreibt und in einen furiosen Schlussspurt mündet. Wie bei allen anderen Stücken zeigte sich Claudia Esch als klassische Continuo-Virtuosin auf dem Cembalo, die unmerklich weich und souverän das Orchester begleitete. 

Am Ende gibt es donnernden Applaus und viel Lob, in Bergen auch von den 30 französischen Gästen aus Neuburg Partnerstadt Sète, die das Wochenende in Neuburg verbrachten und von Kulturreferentin Dr. Gabriele Kaps ins Konzert begleitet wurden. 

Rückblick 29. Mai 2022:
Baringer Mariensingen

In den 15 Jahren seines Bestehens hat sich das Mariensingen im Münster Heilig Kreuz in Bergen zu einer feierlichen und von vielen Zuhörern hoch geschätzten Tradition entwickelt. Die Verehrung der Gottesmutter ist im bayerischen Volk nämlich tief verwurzelt, die sich in einer großen Marienverehrung in den zahlreichen Wallfahrts- und Pfarrkirchen widerspiegelt. 2007 rief Karl Speth diese Veranstaltung als Initiator ins Leben, die sich nun bei der diesjährigen 15. Neuauflage nach Corona zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt hat. Um die 300 Zuhörer zog das diesjährige Mariensingen im vollbesetzten Baringer Münster in seinen Bann, dem die Gopperer 3, die Rupertsbucher Bergsängerinnen, die Familienmusik Dauer aus Möckenlohe sowie die Baringer Blaskapelle einen mehr als würdigen Rahmen verliehen. In Tracht gekleidet, sangen und musizierten die Gruppen zu Ehren der Gottes Mutter Maria, die im ganzen Bayernland als Landespatronin hoch verehrt wird. Aus diesem Grunde widmete ihr gerade die Volksmusik viele andächtige Lieder.

Empfangen wurden die Besucher und Besucherinnen mit einem Programmzettel, in dessen Mittelpunkt sich eine Mariendarstellung offenbarte, die sich im sogenannten Marienaltar des Münsters wiederfindet. Als Einladung wurde ein Ausschnitt gewählt, wo Maria das Jesuskind in Händen hält, das sich dem von einem Engel präsentierten Kreuz zuwendet. Darüber, im Himmelsbereich, erscheint Gott Vater, der auf das Kreuz zeigt. Dieser Blick des Gottesvaters prophezeit, dass der Auftrag seines Sohnes festgelegt ist. So zeigt der himmlische Herrgott an, dass der Auftrag seines Sohnes vorherbestimmt ist. 

Der Gottesmutter waren die Gesänge während des Mariensingens gewidmet, die, wie es Pfarrgemeinderatsvorsitzende Maria Gegg zum Ausdruck brachte, „Balsam für die Seele waren“. Diese wohltuende Wirkung löste das gelungene Zusammenspiel von einfühlsamer und gemütsvoller Musik aus, die die Interpreten während des gut 60-minütigen Konzertes darboten. 

Besonders einprägsam und eindrucksvoll das Lied der Rupertsbucher Sängerinnen „Ich gehe, wenn ich traurig bin, zur lieben Muttergottes hin“. Lieselotte Heieis, Maria Frey, Andrea Schneider, die an der Zither von Helga Gabler begleitet wurden, trugen mit ihren klaren Stimmen zu Herzen gehende Weisen und Klängen ins Baringer Gotteshaus. Wenn uns Leiden und Kreuz auferlegt werden, steht Maria zur Seite: nah beim Kreuz, ist sie nah beim Herrn. Auch persönlich in allem Leid, das wir erleben, ist uns Maria, die Mutter Jesu, sehr nahe. 

Maria als mächtige Himmelkönigin mit ihrer unendlichen Güte und Anteilnahme in schweren Zeiten besangen die Gopperer 3 in ihren Liedern wie „Königin voll Herrlichkeit“ oder „Sie trägt an goldnen Mantel“. Das in der Region sehr bekannte Trio, das ebenfalls aus Rupertsbuch stammt, setzt sich aus Bernhard Gruber, Josef Breitenuber und Konrad Wagner zusammen, der den fein aufeinander abgestimmten vokalen Dreigesang auf seiner Ziehharmonika virtuos und einfühlsam begleitete. 

Gerade in Zeiten großer Bedrängnis und Not haben Gläubige immer wieder auf die Macht des Gebets vertraut, vor allem auf die Macht des Rosenkranzgebetes, so der Tenor in den Liedern der Familienmusik Dauer, die ihren Gesang mit zart besaiteten Gitarrenklängen unterlegten.   

Der Ortsgeistliche, Prälat Prof. Franz Kaspar führte mit besinnlichen Worten durch das von tiefer Andacht und Kontemplation geprägte Singen, las Texte und Gebete, aus denen die Verehrung der Gottesmutter und das Vertrauen in die mächtige mütterliche Fürsprecherin zum Ausdruck kamen.

Die Baringer Blaskapelle lud unter der Leitung von Thomas Fahrmeier am Anfang und Ende mit bekannten Marienliedern wie „Meerstern ich dich grüße“ und  „Sei gegrüßt du Gnadenreiche“ zum  Ruf an die Gottesmutter ein. Auch ein Menuett, von den Klarinetten intoniert und ein Flügelhornduett zu Ehren der Muttergottes, war zu hören. 

103 Mariensingen.JPG

Rückblick 22. Mai 2022:
Concerto Royale

Ein gefülltes Gotteshaus, festliches Trompetenkonzert, Zuhörer, die im Stehen Zugaben herausklatschten, mit lächelnden Gesichtern den Heimweg antraten, das waren die Zutaten eines  bemerkenswerten Konzertes. Grund dafür waren die beiden Musiker Hans Jürgen Huber (Trompete) und Franz Günthner (Orgel), die als „Concerto Royale“ ein wahrlich brillantes musikalisches Feuerwerk auf ihren „königlichen“ Instrumenten ablieferten. 

Vertraute  Komponisten waren vorrangig, das  Duo setzte aber mit modernen Komponisten einen Kontrapunkt zum sonstigen barock gehaltenen Programm. Schon erklangen das königliche Instrument Trompete, meist  jubilierend und die Königin der Instrumente, die Orgel, mal raum füllend, mal höchst deluxe, stets perfekt gespielt. Strahlend setzten Huber und Günthner Martinis  „Toccata per il Deo Gratias“ in  Szene, wobei sie frei von musikalischer Struktur, im Charakter einer ausgeschriebenen Improvisation zwischen schnellen Passagen  in kurzen Notenwerten und voll stimmigen Akkorden wechselten.  Händels „Where ´er you walk“ aus  dem Oratorium „Semele“ mutete wie ein Choral an, getragen und feinfühlig interpretiert von jedem.  Das moderne Orgelsolo „Prelude in  classic style“ von Young lebte von  präzisen Läufen, trendigen Akkorden und wurde von Günthner fröhlichfrohlockend umgesetzt. Telemanns Konzert für Trompete und Orgel in B-Dur bot den ersten Höhepunkt im ausgezeichneten Zusammenspiel. Schleifen, Triller prägten  das Allegro, eher melancholisch umkreisten sich Orgel und Trompete  bei der Sicilienne und das finale  Allegro meisterte der Trompeter auf hohem Niveau. Stamms „Ellyllon“ war ein weiteres modernes Orgelsolo Günthners, bei dem sich  die Hände des Organisten zuspielten, Töne sich rieben und dann  harmonisch auflösten. Händels „Eternal source of light divine“  ließ die Klänge der beiden königlichen Instrumente zu solchen für  die Ewigkeit verschmelzen. Das populäre „Jesu bleibet meine Freude“  von Bach glänzte mit cantabilem  Trompetenspiel und gefühlvoller  Orgelinterpretation. Mit wundervollem Echoeffekt, perfekt registriert, mit perlenden Läufen,  schwebenden Tönen und fulminanten  Akkorden füllte Bachs „Toccata und  Fuge dMoll“ das Baringer Münster  bis zum letzten Winkel. Jauchzend, in harmonischem Miteinander beendeten Huber und Günthner mit einem  langen, elegischen Schlusston bei  „Trumpet Voluntary“ von Stanly ein  geniales Konzert.